Osho: Bewusstsein - Juwelen aus den gesammelten Reden 

Wenn wir denken, können wir nicht in der Bewusstheit sein. Für das Bewusstsein müssen wir lernen, zu bemerken, dass wir denken und gerade eben unsere Gedanken für die Wirklichkeit halten, uns damit identifizieren. Gedanken können jedoch allein deshalb nicht wirklich sein, weil sie nur vergangenes benennen können, einschließlich aller Konzepte über die Zukunft oder sogar die Gegenwart. Niemals aber spiegeln sie die Gegenwart. Selbst der gerade erfolgte Gedanke "welch ein schöner Sonnenaufgang!" beschreibt eine vergangene Erfahrung. Die Vergangenheit existiert jedoch nur noch als Konzept, sie "ist" nicht mehr und war noch nie. 

Dieses Buch beinhaltet viele Juwelen aus den gesammelten Reden von Osho, unter anderem Lehrreden über das Phänomen unseres Charakters, der durch die Gedanken geformt wird oder des Träumens, das wir für die Wirklichkeit halten.   

Aus dem Buch:

„Ein Mensch mit Bewusstsein handelt einfach aus dem Augenblick heraus, nicht aus der Vergangenheit, nicht aus der Erinnerung. Seine Antwort besitzt eine gewisse Schönheit, eine Natürlichkeit, und seine Antwort wird der Situation gerecht. Ein Mensch mit Charakter hinkt immer hinterher, denn das Leben verändert sich ständig, es bleibt niemals gleich. Doch eure Antworten sind immer die gleichen, sie verändern sich nie – sie können nicht wachsen, sie sind tot.
In eurer Kindheit hat man euch bestimmte Dinge gesagt, und all das ist immer noch vorhanden. Ihr seid gewachsen, das Leben hat sich verändert, doch diese Antwort, die euch von euren Eltern oder von euren Lehrern oder von euren Priestern gegeben wurde, ist immer noch da. Und wenn etwas geschieht, funktioniert ihr nach dieser Antwort, die euch vor 50 Jahren gegeben wurde. Doch in diesen 50 Jahren ist so viel Wasser den Ganges hinabgeflossen, dass es sich jetzt um ein vollkommen anderes Leben handelt. (...)

Wenn man einen Punkt vollkommener Bewusstheit erreicht hat, gibt es keine Wahl mehr – man tut einfach das, was gut ist. Man tut es unschuldig, so wie der Schatten einem folgt, ohne Anstrengung. Wenn man rennt, rennt der Schatten mit; wenn man anhält, hält auch der Schatten an – das ist für den Schatten nicht mit Anstrengung verbunden.(...)

Wenn jemand vollkommen erwacht ist, ein Buddha, dann kennt er die Realität, wie sie ohne Verstand ist. Dann handelt es sich um die Wahrheit, Brahman, das letztendlich Gültige. Kommt der Verstand hinzu, wird alles zum Traum, denn der Verstand ist das, was Träume erzeugt. Ohne den Verstand ist nichts mehr ein Traum; nur die Realität bleibt zurück, in ihrer kristallklaren Reinheit.
Der Verstand ist wie ein Spiegel. In einem Spiegel wird die Welt reflektiert. Diese Reflexion kann nicht real sein, sie ist nur eine Spiegelung. Wenn der Spiegel nicht mehr vorhanden ist, verschwindet die Reflexion – dann sieht man die Realität. Es ist wie in einer Vollmondnacht, wenn der See still daliegt und der Mond sich im See spiegelt, und du versuchst den Mond zu fangen. Das ist es, was alle Menschen viele Leben lang gemacht haben – alle haben versucht, den Mond im Spiegel des Sees zu fangen. Und natürlich kann das niemals gelingen – es kann nicht gelingen, es ist unmöglich. Man muss den See vergessen und in die entgegengesetzte Richtung blicken. Dort ist der Mond. Der Verstand ist der Spiegel, in dem die Welt zur Illusion wird. Ob man nun mit geschlossenen oder mit offenen Augen träumt, macht keinen Unterschied - solange der Verstand da ist, ist alles, was geschieht, ein Traum.
Das wird die erste Erkenntnis sein, wenn du über Träume meditierst.
Und die zweite Erkenntnis wird sein, dass du ein Zeuge bist: Der Traum ist vorhanden, doch du bist kein Teil davon. Du bist kein Teil deines Verstandes, du transzendierst ihn. Du bist im Verstand, doch du bist nicht der Verstand. Du schaust durch den Verstand, doch du bist nicht der Verstand. Du benutzt den Verstand, doch du bist nicht der Verstand. Plötzlich bist du ein Zeuge – und bist nicht mehr der Verstand.
Und dieses Zeugesein ist die wichtigste, die letzte Erkenntnis. Dann macht es keinen Unterschied mehr, ob der Traum abläuft, während du schläfst oder während du wach bist – du bleibst immer Zeuge. Du bleibst in der Welt, doch die Welt kann nicht mehr in dich eindringen. Die Dinge sind noch da, doch der Verstand ist nicht mehr in den Dingen, und die Dinge sind nicht mehr im Verstand. Plötzlich kommt der Zeuge hinzu, und alles ist verändert.“