Tantra
nondual
kaschmirisches Tantra
Nonduales Tantra ist eine seit etwa 1500 Jahren praktizierte Bewusstseinskultur, die als eine Erinnerung des Bewusstseins an sich selbst verstanden werden kann. Eine Art Memo, sozusagen. Historisch betrachtet, entstand es auch als Antwort auf orthodoxe Konzepte anderer nondualer spiritueller Strömungen, wie die des Advaita Vedanta, Patañjalis Aṣtanga Yoga, des Jainismus oder auch des frühen Buddhismus. Kaschmirisches Tantra steht für die Verkörperlichung der Bewusstheit (Jīvanmukti) und bietet uns eine Art der Spiritualität, die uns zu dem zurückfinden lässt, was wir sind - zurück zu unserer Wesensnatur, der unteilbaren, nicht objektivierbaren und unüberschreitbaren Bewusstheit.
Praktiken des klassischen Tantra Yoga und Seminarangebote, wie Meditation (Bhāvanā, Vipaśyana), Grundlagenkurs und offene kaschmirische Tantraabende schaffen ein lebendiges Erfahrungsfeld der spirituellen Praxis und laden Dich ein, Dir selbst und anderen in der Wirklichkeit der Erfahrung zu begegnen. Unsere Angebote bieten ein Feld, um nonduales Tantra für Dich erfahrbar und in jedem Moment bewusst lebbar zu machen.
Nonduales, kaschmirisches Tantra ist ein spiritueller Weg, der Deine Lebenswirklichkeit vollkommen bejaht, als Ausdruck des Göttlichen, das du bist. Dieser Weg ist keine Religion, also nichts, was man glaubt. Diesseits, Jenseits, höheres Selbst, Transzendenz oder besondere Erfahrung kennt Tantra nur als Geschichten, und Geschichten können nichts wirkliches beinhalten. Dieser tantrische Weg braucht daher auch nicht die Veränderung dessen, was du glaubst, zu sein. Nur Neugierde und die Entschlossenheit, mit dem zu sein, was wirklich ist (das ist das, was bleibt, wenn du wirklich nicht mehr daran glaubst).
Der folgende Text spiegelt unsere Ausrichtung:
"Alles, was existiert, ist ein einziges, unendliches, göttliches, freies und glückseliges Bewusstsein, das im Bereich seines Gewahrseins eine riesige Vielfalt von scheinbar unterschiedlichen Subjekten und Objekten hervorbringt: Jedes Objekt ist die Verwirklichung einer zeitlosen Potenzialität, die dem Licht des Bewusstseins innewohnt, und jedes Subjekt, du und ich, ist dasselbe und zugleich ein kontrahierter Ort des Selbstgewahrseins.
Diese Schöpfung, ein göttliches Spiel, ist das Ergebnis des natürlichen Impulses des Bewusstseins, die Gesamtheit seiner Selbsterkenntnis in Aktion auszudrücken, ein Impuls, der der Liebe entspringt. Das grenzenlose Licht des Bewusstseins zieht sich aus freiem Willen in endliche, verkörperte Bewusstseinsbereiche zusammen.
Wenn sich diese endlichen Subjekte dann mit den begrenzten und eingeschränkten Erkenntnissen und Umständen identifizieren, die diese Phase ihrer Existenz ausmachen, anstatt sich mit der überindividuellen, übergreifenden Pulsation des reinen Bewusstseins zu identifizieren, die ihre wahre Natur ist, erleben sie das, was sie "Leiden" nennen.
Um dies zu berichtigen, verspüren einige den inneren Drang, den Weg der spirituellen Weisheit und der yogischen Praxis einzuschlagen, deren Ziel es ist, ihre falsche Identifikation zu untergraben und in der Unmittelbarkeit der Bewusstheit die Tatsache zu offenbaren, dass die göttlichen Kräfte des Bewusstseins, der Glückseligkeit, des Wollens, des Wissens und des Handelns auch die Gesamtheit der individuellen Erfahrung umfassen.
Diese Erfahrungseinsicht wird auf verschiedene Weise wiederholt und verstärkt, bis sie zur nicht-begrifflichen Grundlage jedes Erfahrungsmoments wird und das kontrahierte Selbstgefühl und die Trennung vom Ganzen schließlich im glühenden Strahlen der vollständigen Ausdehnung zur vollkommenen Ganzheit ausgelöscht wird.
Dann umfasst die eigene Wahrnehmung die Realität eines Universums, das ekstatisch in der Lebensfreude seiner vollkommenen Göttlichkeit tanzt."
(aus C. Wallis: tantrailluminated.org)

Tantraseminare und Leichtigkeit
Diese Sicht des kaschmirischen Tantra mag dir zunächst sehr prosaisch oder esoterisch vorkommen und vielleicht schwer verdaulich klingen. Wenn du das so empfindest, dann könnte es auch eine Einladung für dich sein, noch einmal genauer hinzulesen und vielleicht sogar darüber zu meditieren und den Geist darin zu baden. Der Text stellt eine hochverdichtete Version der Anschauungslehre des kaschmirischen Tantra dar und du kannst ihn unter "Darśana & Bhāvanā" für dich erschließen. Das Verstehen ist am Ende leicht, es verlangt von uns keinerlei Anstrengung. Wir können es nichtmals durch Anstrengung erreichen, und dennoch wird es nicht zu uns kommen, wenn es uns nicht finden kann, weil wir nicht darauf ausgerichtet sind. Es ist ein Prozess, ein Weg des Erkennens, der uns erfahren lässt, dass die Art des Schauens, unsere Bewusstheit selbst, genau das Objekt ist, das wir meinten, gesucht zu haben. Oder, um mit Franz von Assisi zu sprechen, diejenige, die du suchst, schaut aus deinen Augen.

Das Erfahren und Erforschen der Wirklichkeit dessen, was du bist, beschleunigt sich in der Begegnung und im gemeinsamen Lernen. Es ist sehr nährend, sich abseits der Schaufensterauslagen, die wir oft vor uns her tragen und abseits der Rollen, mit denen wir uns allzu oft ganz irrtümlich identifizieren, Erfahrungen der Bewusstheit im lebendigen Miteinander der Tantraseminare zu teilen. Denn das ist es auch, warum die Bewusstheit aus freien Stücken beschlossen hat, sich in uns zu verkörpern: um sich selbst zu begegnen, zu erfahren, zu teilen, sich zu feiern. Es ist ein Ankommen in der Wirklichkeit - ein Ankommen und Zu-Hause-Sein in dem, was Du bist.

nondual 